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F.A.Z. vom 30.03.2000, Seite 50 Wer mit der Liebe spekuliert: "Ben und Maria" (Sat.1) Druckfassung! Let's do it, let's fall in love. Kein Text ist zu simpel für ein schönes Lied, wenn die Musik stimmt, der Rhythmus, der Groove. Und wenn die richtigen Interpreten das Stück beseelen. Kein Plot ist zu schlicht für einen guten Film. Der egoistische, knallharte Juniorchef und die soziale einfühlsame Idealistin. Zwei Welten - ein Märchen. Ben und Maria. Sie kriegen sich. Am Ende eines Films, der das einfach gestrickte Drehbuch weitgehend vergessen machte, weil er gute Darsteller und vor allem eines hatte: Musik, Rhythmus und Groove. Birds do it, bees do it. Und Ben tut es auch, gleich zu Beginn, bis der Wecker klingelt. Mit seiner Verlobten, die ihn bald verlassen wird. "Frühstücken wir noch?", fragt Carla. Keine Zeit. "Muss noch 'n paar Leute im Vorstand erschießen." Im roten Ferrari schießt Ben durch die Berliner Straßen. Hängt am Handy, hupt und flucht. Schnelle Schnitte, bewegte Kamera, kurze Bildfolgen aus mehrfach gedrehten Einstellungen: Der Film legt ein hohes Tempo vor, und die Musik geht mit, steigert sich vom intimen Jazztrio mit treibendem Bass zum opulenten Bigband-Swing bei der rasanten Fahrt über die Berliner Highways. Ben Raabe ist das Alpha-Tier, ein Siegertyp, der die Möbelfirma seines Vaters im Zeichen von Rendite und Shareholder Value ohne Rücksicht auf Werte und Traditionen des Familienbetriebs sanieren will. Langjährigen, aber unrentablen Zulieferern soll gekündigt, dem finanzstarken Konkurrenten die Übernahme der Raabe AG angeboten werden. Mit einer Handvoll modischer Schlagworte aus dem Vokabular der New Economy wird der wirtschaftliche Konflikt umrissen. Und als am Schluss ein über Nacht entworfener, im Nu gebauter und wie von Zauberhand gleich tausendfach per Internet verkaufter Stuhl die Firma rettet, glaubt man sich ins Märchenland des E-Commerce versetzt. Aber wer erwartet am Dienstagabend bei Sat.1 schon glaubwürdige Lösungen für den deutschen Mittelstand? Glaubwürdig waren dagegen die tragenden Figuren. Matthias Koeberlin spielte den Jungmanager ohne zu überzeichnen, so dass man ihm die Verwandlung durch die große Liebe noch abnehmen konnte. Überhaupt verzichtete Regisseur Uwe Janson weitgehend auf karikierende Übertreibungen, die Detlev Buck in seinem ähnlich angelegten Film "Liebe Deine Nächste!" in witzig-bösen Szenen ausgekostet hat. Wo Buck den Kontrast zwischen Profitdenken und Heilsarmee operettenhaft in Szene setzte, ließ Jason die schon offenbaren Gegensätze für sich sprechen: den Streit zwischen Ben und seinem Vater, die unvereinbaren Lebensentwürfe von Ben und Maria. Die Rolle der Leiterin einer Projekt-Werkstatt für Behinderte und jugendliche Straftäter war mit Stefanie Stappenbeck bestens besetzt. Die im vergangenen Jahr mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises ausgezeichnete Schauspielerin durfte ganz Berliner Göre sein, die als empfindsamer Starrkopf die harte Schale Bens bald durchbricht. Als die beiden sich zum ersten Mal sehen, fahren sie mit dem Aufzug versehentlich in den Keller. Tatsächlich wird Ben kurz darauf ganz unten sein: Zerwürfnis mit dem Vater, Rückzug aus der Firma, ohne Kreditkarten und Führerschein, der Testarossa konfisziert. Als Ben und Maria dann auf der Polizeiwache schweigend nebeneinander sitzen, kommt der Film zum ersten Mal zur Ruhe. Eine wohl gesetzte Zäsur, ein erstes Innehalten, ergänzt durch einen langen Blick auf die Kräne am Potsdamer Platz, die in der Morgendämmerung als Chiffren stehen für die noch hoch fliegenden Hoffnungen der neuen Wirtschaft und der neuen Macht. Später, in einer zweiten stillen Szene, werden in Stein gehauene Statuen die wundersame Wendung Bens zu alten Werten illustrieren. Der Weg zur Läuterung ist von Beginn an deutlich vorgezeichnet. Dass er nicht langweilig wird, liegt an zahlreichen Nebenfiguren, die wie in einer Bigband kurze Soli spielen dürfen. In dieser Vielfalt wird sogar die mit allen denkbaren Klischees behaftete Figur von Bens ehemaligem Mentor und Professor (Oliver Nägele) erträglich, der aus der Börsenwelt ausgestiegen ist, seine smarten Studenten wie die Affen auf Tische klettern lässt und mit Tai Chi und fernöstlicher Weisheit nach der Verbindung von Verstand, Herz und Sex sucht. Die Vision, die er fordert, findet Ben schließlich in einem Stuhl, der "genau das ist, was ein Stuhl sein soll: Er ist bequem". Und mit einer weder wortgewaltigen noch inhaltsreichen Rede überzeugt er sogar die Aktionäre, dass dieser Stuhl die Zukunft der Firma sichern wird. Als perfekte Managerin erweist sich schließlich aber Maria, die Ben verraten hatte: "Wenn du mich ins Bett kriegen willst, musst du mein Herz erobern." Und damit er nicht auf falsche Gedanken kam, hatte sie ihm gleich gesagt, wie das geht: "Du redest mit den Leuten in deiner Firma und sagst ihnen, sie sollen ihre Rechnung bezahlen." Am Ende steht sogar ein exklusiver Vertrag für ihre Werkstatt. Jetzt darf Maria noch einmal Aufzug fahren: rauf auf's Dach, hinauf zu Ben. So einfach ist die Liebe in Berlin. Let's do it, let's fall in love. Achim Bahnen Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z., acba (http://www.acba.de/texte/faz20000330.html) zurück |